Deutschland
d e r S p i e g e l - Ausgabe 09 / 2 0 0 6 - Seite 54
Rosenkranz und Eichenrinde
Krebskranken galt er als letzte Hoffnung:
Nun steht ein fundamentalistisch-katholischer Wunderheiler vor Gericht – auch wegen Verstoßes gegen das Arzneimittelgesetz.
Dank einer Behandlung, die „dem göttlichen Willen entspricht“, versprach der Ibbenbürener Heilpraktiker Jürgen Richter wahre Wunder:
Sogar Tumoren würden verkleinert, ja Krebs geheilt. Schließlich entfalte nur das Beste aus Himmel und Erde in den von ihm entwickelten Mitteln seine heilende Wirkung. Bei einer Hausdurchsuchung wollen die Ermittler auf die geheime Rezeptur gestoßen sein: unter anderem eine Hand voll Eichenrinde und -blätter, 100 Gramm Kochsalz, ein Klumpen Hunde- oder Hühnerkot, alles angerührt mit einem Liter Wasser und zwei Litern Alkohol. Ebenso wichtig war, bei der Einnahme „zu Ehren der Jungfrau“ den Rosenkranz zu beten.
Inzwischen saß der strenggläubige Katholik mit „enger Anbindung an die Sakramente der Kirche“ (Eigenwerbung) in Untersuchungshaft. Denn mit dem Hokuspokus verdiente Richter offenbar so viel Geld, dass die Finanzbehörden aufmerksam wurden – weil er es mit keiner irdischen Instanz teilen wollte. Sie gehen von mindestens 2,6 Millionen Euro Steuerschuld aus. Und so setzte die Staatsanwaltschaft Münster mit der Inhaftierung dem Treiben des Wunderheilers vorerst ein Ende.
Was die dunklen Schafe unter den Heilpraktikern anrichten, darüber berichtet schon Colin Goldner in ihrem Beitrag “Quacksalber und Beutelschneider” im Jahre 2001.




