Am 18. November 1978 starben in Jonestown in Guayana über 900 Mitglieder der religiösen Gemeinschaft Peoples Temple. Es war der grösste Massenselbstmord, der von einer amerikanischen Sekte begangen wurde. Die Peoples Templer hätten nicht sterben müssen, wenn man die Bedrohungsszenarien der Sekte ernst genommen hätte. Zu diesem Schluss kam das FBI. Allerdings erst 15 Jahre später, nachdem im Februar 1993 eine zweite grosse Sektentragödie im texanischen Waco 82 Menschen das Leben gekostet hatte. Über Wochen hatte das FBI die Zentrale der Davidianer wegen Verdachts des Kindesmissbrauchs belagert. Die Sekten-Mitglieder reagierten mit abstrusen Auslegungen der Offenbarungen des Johannes und fanden in der Selbstverbrennung die ihrer Ansicht nach angemessene apokalyptische Lösung. Überkommene Glaubensvorstellungen haben in allen drei grossen monotheistischen Religionen ein grosses Reaktivierungspotenzial. Oft nur von verschwindend kleinen Gruppen neu interpretiert, finden hanebüchene religiöse Heilsideologien immer wieder Eingang in die Weltpolitik. In den traditionell stark religiös geprägten USA hat der massenhafte Umzug in die Vororte religiösen Gemeinschaften einen starken Aufschub gegeben schlicht ob des Mangels an anderen sozialen Angeboten.

Hans G. Kippenbergs Studie über «Gewalt als Gottesdienst. Religionskriege im Zeitalter der Globalisierung» zeigt die realen Folgen des religiösen Eifers.
272 Seiten, Beck Verlag, 2008
19,90€, ISBN 978-3406494666
Sie glauben Hexenverbrennung gab es nur im Mittelalter? Im Dorf Nyakeo im Westen Kenias war es einmal mehr so weit. Rund Hundert Dorfbewohner trieben 11 Menschen, darunter 8 Frauen aus ihren Häusern. Die zumeist alten Menschen wurden gefässelt und anschließend bei lebendigem Leib verbrannt. Selbst die Frau des Dorfpfarrers wurde hingerichtet. Sieben weitere Frauen sollen ebenso ermordet worden sein. Von modernem Denken ist ein Großteil der Bewohner des kenianischen Dorfes Nyakeo offenbar weit entfernt. In einer Zusammenkunft machten sie 15 Frauen aus, die sie der Hexerei verdächtigten. Gegenseitig schaukelten sie sich immer mehr hoch, bis ihr Zorn überkochte. Der wütende Mob jagte durchs Dorf, brachte die Frauen in seine Gewalt und warf sie allesamt in ein großes Feuer, dort verbrannten sie grausam. “Ich kann nicht glauben, dass meine Frau auf so brutale Weise sterben musste”, entsetzte sich Enoch Obiero. Doch mit seiner Meinung war er fast alleine. Die meisten Menschen in der Gegend äußerten sogar Verständnis für die Lynchjustiz der Dorfbewohner! Einmal in Fahrt, setzten diese auch noch 50 Häuser in Brand. Der Aberglaube an Hexen ist in Kenia weit verbereitet. Bereits in den 90er-Jahren wurden nur aufgrund von Hexerei-Gerüchten dutzende Frauen verbrannt.
Wir schreiben ja sonst nur kritische Beiträge über Kirchen und Relgion. Heute wollen wir auch einmal lobende Worte finden. Und zwar über den evangelischer Theologe Ulrich Duchrow, geboren 1935, Professor für systematische Theologie an der Universität Heidelberg und ein Gründungsmitglied der Globalisierungsnetzwerkes ATTAC. Der Wochenzeitung für die evangelisch-lutherische Landeskirche Sachsen hat Duchrow am 19. Mai ein bemerkenswertes Interview gegeben. Unter dem Titel “Wohin treibt Europa?” beantwortet der Kirchenmann sehr kritisch Fragen zu dem , durch den Deutsche Bundestag, schon verabschiedete EU-Reformvertrag. In diesem Interview vergisst er nie sein eigenens Verständnis zum christlichen Glauben in Zusammenhang mit Europa und kritisiert auch die deutschen Kirchen für ihr Schweigen zu diesem Machwerk.
Das Schweigen hängt mit der Anpassung der Kirchen an die Macht zusammen. Ich erwarte von den Kirchen, dass sie sich im Interesse der Mehrheit der Menschen und der Erde den klaren Positionen der weltweiten Ökumene und den sozialen Bewegungen wie Attac anschließen.
In seinem einen Artikel “Der Gott der EU-Verfassung” hat sich Duchrow mit einer Reihe problematischer Bestimmungen des EU-Verfassungsentwurfs befasst.
Wie immer man diese Diskussion beurteilen mag, interessant wäre es gewesen, wenn die Kirchen sich auch einmal gefragt hätten, welcher Gott denn inhaltlich in dem vorliegenden Entwurf der Verfassung angebetet wird. Auch die europäischen Kreuzzüge beriefen sich auf Gott. Auch Herr George W. Bush, auch Herr Osama Bin Laden führen Gott im Munde und meinen damit imperialen Staats- und anti-imperialen Gegenterror. Und der europäische Verfassungsentwurf?
Weiterhin befürwortet er, das die Kirchen, gemeinsam mit Attac und dem Europäischen Sozialforum fordern sollten, dass der vorliegende neoliberale EU-Verfassungsentwurf einer Volksabstimmung unterworfen wird, und dann dafür zu arbeiten, dass eine Mehrheit mit Nein dagegen stimmt.
Es ist wohltuend zu sehen, das es in den Kirchen auch sehr viele verantwortungsbewusste Menschen gibt, die sich mit den aktuellen Problemen der Menschen beschäftigen, weit entfernt von einem Mixa, einem Müller und einem Meißner, die sich alle samt das Mittelalter zurückwünschen.
Der Augsburger “Gebährmaschinen-”Bischof Walter Mixa soll nach einem Medienbericht in Bayern einen Exorzisten zur Teufelsaustreibung beauftragt haben. Das meldete der Bayerische Rundfunk am Montag unter Berufung auf eine nicht näher genannte Quelle. Nach Aussagen «verschiedener Beteiligter» werde in Deutschland beinahe täglich ein Exorzismus vollzogen, meist inoffiziell und ohne Wissen der Diözesen. «Mir ist im Bistum Augsburg kein Fall bekannt», sagte hingegen der Augsburger Bistums-Sprecher Christoph Goldt. Wer unseren Blog aufmerksam liest, weiss das dem Herrn Goldt wieder entscheidene Fakten fehlen. Goldt kritisierte die Darstellung von Exorzismus in den Medien als «bedauerlich» und forderte eine «sachliche Ebene» für die Diskussion. «Da ist nichts Geheimnisvolles dabei», betonte er. Ein Sprecher des Erzbistums Paderborn (Nordrhein-Westfalen) ganzen Beitrag lesen… »
Jesus Camp ist eine Dokumentation über das evangelikale Sommerlager Kids On Fire (deutsch: Entflammte Kinder) in North Dakota, das von der Pastorin Becky Fischer geleitet und von Kids in Ministry International organisiert wird.
In diesem Ferienlager werden Kinder evangelikaler Christen im Grundschulalter dazu angeleitet ihre “prophetische Gabe” zu entdecken und zu stärken. Von der Pastorin werden die Kinder in einer großen, schlichten Kirche dazu aufgefordert sich von ihren Sünden zu “reinigen” und sich ganz der Mission und der Verbreitung evangelikaler Lehren, z.B. dem Intelligent Design und dem Verbot von Abtreibung, zu verschreiben. Die Kinder werden als “ausgewählte Generation” bezeichnet, die Amerika wieder für Christus zurückerobern soll, und daher sollen sie sich der “army of God” (dt.: Armee Gottes) anschließen. Durch die Rhetorik der Pastorin, außer ihr predigen vor den Kindern auch noch der “Prophet” Lou Engle und der Prediger Ted Haggard, sowie den Einsatz von Musik, Tanz und Computer-Präsentationen werden die Kinder animiert mitzumachen und diese beten und singen offensichtlich begeistert mit. Mehrmals ist zu sehen, wie eine Vielzahl der Kinder kollektiv in Tränen ausbricht oder in religiöser Ekstase mit unverständlichen Worten betet.




