bierlein.jpgFür die jungen Leute sei es eine Ehre gewesen, vom Chef der Rummelsberger Anstalten mit ihren rund 6.100 Mitarbeitern in 170 Häusern für ein „wissenschaftliches Buchprojekt“ ausgewählt zu werden. Darin sollte es um die persönliche Entwicklung von Jungdiakonen gehen – auch im Blick auf ihren Körper, ihre Sexualität und ihren Autoritätsglauben. Aber Pfarrer Karlheinz Bierlein meinte eher seinen Blick auf die jungen Körper. In insgesamt sechs Fällen hat er sich der gefährlichen Körperverletzung schuldig gemacht. Unter einem Vorwand habe er die Diakonschüler mit Metallklammern malträtiert. Auch mit Stock und Gürtel soll Bierlein zugeschlagen haben. Auf die Frage, ob er Schutzbefohlene auch sexuell bedrängt habe, antwortete Bierlein der Süddeutschen Zeitung, er wolle das „weder bestätigen noch dementieren“. Seit Freitag ist Bierlein - Seelsorger und Träger des Bundesverdienstkreuzes - rechtskräftig verurteilt. Er ist nun vorbestraft, festgesetzt wurde eine Bewährungsstrafe von elf Monaten Haft sowie eine Geldbuße von 10.000 Euro. Weil der Pfarrer den Strafbefehl akzeptiert hat, wird es nicht mehr zu einem Prozess kommen. Und damit auch nicht mehr zu einer öffentlichen Klärung der Vorwürfe. Bierlein bleibt Pfarrer. Den Status hätte er dann verloren, wenn er zu wenigstens einem Jahr verurteilt worden wäre - das Gericht entschied sich für elf Monate. Aufgrund der gegen ihn erhobenen Vorwürfe hat Bierlein am 13. Dezember 2007 seinen sofortigen Rücktritt vom Amt des Vorsitzenden des Vorstands der Rummelsberger Anstalten und vom Amt des Rektors der Rummelsberger Brüderschaft erklärt. Auch von allen anderen Ämtern ist er zurückgetreten.