- Die Religion ist Opium für das Volk -
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Zucht und Ordnung - Im Namen von Kirche und Staat

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Ein düsteres Kapitel deutscher Erziehung beleuchtet die Dokumentation “In den Fängen der Fürsorge”, die das ZDF am Mittwoch, 4. Juni 2008 ausstrahlte.


Die heute 47-jährige Carola Koszinoffski wuchs von 1961 bis 1974 im Kinderheim St.Josef im rheinischen Eschweiler auf. Als Neunjährige wurde sie von einer Ordensschwester nachts aus dem Bett geholt und musste im Garten ihr Grab ausschaufeln - die Schwester hielt dies für eine geeignete Erziehungsmaßnahme. Und das war nicht die einzige Einschüchterung und Quälerei: Es gab Psychoterror, Schläge, stundenlanges Einsperren im Keller. Auch die Regeln der Schwestern des Ordens “Arme Dienstmägde Jesu Christi” sprechen ihre eigene Sprache: Wecken um fünf Uhr, Putzen noch vor der Schule, ab 17 Uhr Trinkverbot, Toilettenbesuch nur zu festgesetzten Zeiten. Kaum einer der damaligen Erzieher ist bereit, über die qualvollen “Erziehungsmethoden” zu sprechen. Doch Günther Matschke, der Anfang der 1960er Jahre als Diakon im Knabenheim Westuffelen bei Werl gearbeitet hatte, sagt in der ZDF-Dokumentation: “Ich habe mich schuldig gemacht. Das tut mir heute noch weh, die Jahre, die man da Menschen misshandelt hat. Unser ganzer Stil war im Grunde gewalttätig.” Ein sehr dunkles Kapitel der frühen Bundesrepublik Deutschland. Und ein Reportage die tief bewegt und nicht mal ansatzweise deutlich machen kann, was der Gefühlswelt dieser Kinden angetan wurde.

Der Gott der EU-Verfassung

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duchrow.pngWir schreiben ja sonst nur kritische Beiträge über Kirchen und Relgion. Heute wollen wir auch einmal lobende Worte finden. Und zwar über den evangelischer Theologe Ulrich Duchrow, geboren 1935, Professor für systematische Theologie an der Universität Heidelberg und ein Gründungsmitglied der Globalisierungsnetzwerkes ATTAC. Der Wochenzeitung für die evangelisch-lutherische Landeskirche Sachsen hat Duchrow am 19. Mai ein bemerkenswertes Interview gegeben. Unter dem Titel “Wohin treibt Europa?” beantwortet der Kirchenmann sehr kritisch Fragen zu dem , durch den Deutsche Bundestag, schon verabschiedete EU-Reformvertrag. In diesem Interview vergisst er nie sein eigenens Verständnis zum christlichen Glauben in Zusammenhang mit Europa und kritisiert auch die deutschen Kirchen für ihr Schweigen zu diesem Machwerk.

Das Schweigen hängt mit der Anpassung der Kirchen an die Macht zusammen. Ich erwarte von den Kirchen, dass sie sich im Interesse der Mehrheit der Menschen und der Erde den klaren Positionen der weltweiten Ökumene und den sozialen Bewegungen wie Attac anschließen.

In seinem einen Artikel “Der Gott der EU-Verfassung” hat sich Duchrow mit einer Reihe problematischer Bestimmungen des EU-Verfassungsentwurfs befasst.

Wie immer man diese Diskussion beurteilen mag, interessant wäre es gewesen, wenn die Kirchen sich auch einmal gefragt hätten, welcher Gott denn inhaltlich in dem vorliegenden Entwurf der Verfassung angebetet wird. Auch die europäischen Kreuzzüge beriefen sich auf Gott. Auch Herr George W. Bush, auch Herr Osama Bin Laden führen Gott im Munde und meinen damit imperialen Staats- und anti-imperialen Gegenterror. Und der europäische Verfassungsentwurf?

Weiterhin befürwortet er, das die Kirchen, gemeinsam mit Attac und dem Europäischen Sozialforum fordern sollten, dass der vorliegende neoliberale EU-Verfassungsentwurf einer Volksabstimmung unterworfen wird, und dann dafür zu arbeiten, dass eine Mehrheit mit Nein dagegen stimmt.
Es ist wohltuend zu sehen, das es in den Kirchen auch sehr viele verantwortungsbewusste Menschen gibt, die sich mit den aktuellen Problemen der Menschen beschäftigen, weit entfernt von einem Mixa, einem Müller und einem Meißner, die sich alle samt das Mittelalter zurückwünschen.

Spenden will gelernt sein

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Es ist wieder kurz vor Weihnachten und die Spendenbereitschaft der Menschen nimmt wieder zu. Aber Vorsicht: Auf dem deutschen Spendenmarkt versickern jährlich hunderte Millionen Euro in dunkle Kanäle. Wir wollen Sie nicht vom Spenden abhalten. Wenn Sie für humanitäre Hilfe spenden wollen, dann tun Sie dies. Aber ziehen Sie vorher Erkundigungen über denjenigen ein, für den Sie spenden wollen. Verbraucherschutzorganisationen könnten hier erste Anlaufpunkte sein. Im Internet können Sie sich über Spendenprojekte informieren. Bei der Organisation DZI können Sie sich umfangreich informieren und werden auch vor dubiosen Hilfsorganisationen gewarnt. Gerade briefliche Spendenaufrufe sind schwer auf ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfen. Wenn Sie sich nicht ganz sicher sind, für wen Sie spenden, dann spenden Sie für ihr örtliches Obdachenlosenheim oder einer anderen örtlichen Organisation. Dann wissen Sie wenigstens, das Ihr Geld auch da ankommt, wo Sie es haben wollen.
Für kirchliche Einrichtungen brauchen Sie übrigens nicht extra zu spenden, denn dieses tut ihr Staat jährlich für Sie.