Angesichts der vielen “Pro Tibet” Aktionen im Vorfeld der Olympischen Spiele und das hohe Ansehen des Dalai Lama in der westlichen Welt ist das gerade verlegte Buch von Colin Goldner “Dalai Lama. Fall eines Gottkönigs” mal eine gute Quelle eine andere Seite des tibetischen Führers kennen zulernen. Wir haben ja schon mal darüber berichtet, das in der Biographie des Dalai Lama, gerne mal tiefgründige Informationen verschwiegen werden. Dabei zeigt Goldner , dass das im Westen vorherrschende Bild von Tibet und dem Buddhismus stark idealisiert ist. Auch das Bild des friedfertigen, weisheitsorientierten Buddhismus erhält einige schwere Kratzer, denn durch die Geschichte des Lamaismus zieht sich eine Blutspur, die Dämonologie kann es locker mit der katholischen aufnehmen und die Rolle der Frau läßt sich nur als erniedrigend beschreiben. Die Äußerungen des Dalai Lama zeugen von absolutem Unverständnis für die am Ende des 20. Jahrhunderts anstehenden Fragen, seine “Weisheiten” entpuppen sich als nichtssagende, teilweise sogar peinliche Allgemeinplätze; vielfach sind die Äußerungen “Seiner Heiligkeit” durchzogen von bedenklich rechtslastigem Gedankengut. Auf der Internetseite des hdp.de ist ein sehr schöner Beitrag “Die Finanziers des Dalai Lama” erschienen. Über die Finanzierung des Dalai Lama durch die CIA in den frühen 50ziger Jahren bis hin zu den Finanzierungen durch die US-Organisation NED (National Endowment for Democracy) die unter Ronald Reagen 1983 ins Leben gerufen wurde. Alles in allem, wird hier mal kritisch hinterfragt, ob das hohe Ansehen des Dalai Lama in der westlichen Welt wirklich gerechtfertigt ist.
Bei einer Sekten-Razzia in Texas nahm die Polizei im April mehr als 400 Minderjährige in Gewahrsam. Die Ranch der “Fundamentalistischen Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage” (FLDS) war am 3. April von Beamten durchsucht worden. Weil der Verdacht nahelag, dass einige der Minderjährigen sexuell missbraucht worden sein könnten, stellte man alle Kinder unter staatliche Fürsorge. Sie kamen zu Pflegefamilien. An Kleidung verfügten die Kinder nur über das, was sie bei der Razzia anhatten. Dass die Kinder sich kleidungstechnisch an ihre neue Umgebung anpassten - davon wollten ihre Mütter nichts wissen. Also nähten die Frauen in großen Mengen die einfarbigen, sackähnlichen Gewänder, die an die Kleidung amerikanischen Siedler aus dem 19. Jahrhundert erinnern. Als die texanische Justiz Ende Mai die Rückkehr der Kinder auf die Ranch anordnete, hatten die Frauen offenbar Gefallen an der Massenproduktion gefunden - und das Internet entdeckt. Auf der Website fldsdress.com vertreibt die Sekte jetzt neben Kleidern auch Jeans, T-Shirts, Nachthemden und Unterwäsche. Das Interesse sei groß, sagte Maggie Jessop. Der Führer der Sekte, Warren S. Jeffs, 52, sitzt in Haft, mehrere Strafverfahren sind noch anhängig. Der sogenannte “Prophet”, der mit bis zu hundert Frauen lebte, entschied auch darüber, welche Frau mit welchem Mann verheiratet wurde - und teilte beispielsweise einem Glaubensbruder ein 14-jähriges Mädchen zu.
Am 18. November 1978 starben in Jonestown in Guayana über 900 Mitglieder der religiösen Gemeinschaft Peoples Temple. Es war der grösste Massenselbstmord, der von einer amerikanischen Sekte begangen wurde. Die Peoples Templer hätten nicht sterben müssen, wenn man die Bedrohungsszenarien der Sekte ernst genommen hätte. Zu diesem Schluss kam das FBI. Allerdings erst 15 Jahre später, nachdem im Februar 1993 eine zweite grosse Sektentragödie im texanischen Waco 82 Menschen das Leben gekostet hatte. Über Wochen hatte das FBI die Zentrale der Davidianer wegen Verdachts des Kindesmissbrauchs belagert. Die Sekten-Mitglieder reagierten mit abstrusen Auslegungen der Offenbarungen des Johannes und fanden in der Selbstverbrennung die ihrer Ansicht nach angemessene apokalyptische Lösung. Überkommene Glaubensvorstellungen haben in allen drei grossen monotheistischen Religionen ein grosses Reaktivierungspotenzial. Oft nur von verschwindend kleinen Gruppen neu interpretiert, finden hanebüchene religiöse Heilsideologien immer wieder Eingang in die Weltpolitik. In den traditionell stark religiös geprägten USA hat der massenhafte Umzug in die Vororte religiösen Gemeinschaften einen starken Aufschub gegeben schlicht ob des Mangels an anderen sozialen Angeboten.

Hans G. Kippenbergs Studie über «Gewalt als Gottesdienst. Religionskriege im Zeitalter der Globalisierung» zeigt die realen Folgen des religiösen Eifers.
272 Seiten, Beck Verlag, 2008
19,90€, ISBN 978-3406494666
Jesus Camp ist eine Dokumentation über das evangelikale Sommerlager Kids On Fire (deutsch: Entflammte Kinder) in North Dakota, das von der Pastorin Becky Fischer geleitet und von Kids in Ministry International organisiert wird.
In diesem Ferienlager werden Kinder evangelikaler Christen im Grundschulalter dazu angeleitet ihre “prophetische Gabe” zu entdecken und zu stärken. Von der Pastorin werden die Kinder in einer großen, schlichten Kirche dazu aufgefordert sich von ihren Sünden zu “reinigen” und sich ganz der Mission und der Verbreitung evangelikaler Lehren, z.B. dem Intelligent Design und dem Verbot von Abtreibung, zu verschreiben. Die Kinder werden als “ausgewählte Generation” bezeichnet, die Amerika wieder für Christus zurückerobern soll, und daher sollen sie sich der “army of God” (dt.: Armee Gottes) anschließen. Durch die Rhetorik der Pastorin, außer ihr predigen vor den Kindern auch noch der “Prophet” Lou Engle und der Prediger Ted Haggard, sowie den Einsatz von Musik, Tanz und Computer-Präsentationen werden die Kinder animiert mitzumachen und diese beten und singen offensichtlich begeistert mit. Mehrmals ist zu sehen, wie eine Vielzahl der Kinder kollektiv in Tränen ausbricht oder in religiöser Ekstase mit unverständlichen Worten betet.





