Exorzismus und die Kirche
Als Exorzismus wird in den Religionen die Praxis des Austreibens von Dämonen bzw. des Teufels aus Menschen, Tieren, Orten oder Dingen bezeichnet. Der Exorzismus ist noch heute Bestandteil katholischer Lehre und Liturgie. Unter Papst Benedikt XVI. und seinem Vorgänger Johannes Paul II. wurden und werden Exorzisten ausgebildet. Im Jahre 2003 wurden in Italien ca. 200 Priester als Exorzisten bestellt. Im Jahr 2005 nahm erstmals eine Frau, die katholische Theologin Alexandra von Teuffenbach, an der Exorzistenausbildung teil. Don Gabriele Amorth, eine Art Chef-Exorzist des Vatikan, hat mit Billigung des Papstes bereits über 30.000 Fälle von Besessenheit “behandelt”. Täglich kommen neue hinzu. Am 13.07.2007 fand ein Exorzistentreffen in Polen statt. 330 Exorzisten aus 29 Ländern seien dort zusammengekommen. Nur offizielle Exorzisten seien eingeladen worden zu dem jährlichen Treffen der “Internationalen Vereinigung der Exorzisten”. Dieser Verein wurde erst 1990 von Pater Gabriele Amorth gegründet.
Trotz Todesfällen bei Exorzismen bietet der Vatikan verstärkt Exorzismuskurse an und führte 2004 die erste internationale Exorzismuskonferenz in Mexiko durch, auf der beschlossen wurde, verstärkt gegen den Okkultismus vorzugehen. In verschiedenen christlichem Kirchen sind Deliverance Ministries (Befreiungsdienste) entstanden, die sich eine ähnliche Aufgabe gestellt haben. Manche Kritiker vermuten dahinter ein Bestreben der Kirche(n), die Trennung zwischen Staat und Kirche aufzuweichen. Während einer Generalaudienz auf dem Petersplatz am 15. September 2005 wandte sich Benedikt XVI. an die Teilnehmer des Nationalkongresses der italienischen Exorzisten und ermutigte sie dazu, „mit ihrem wertvollen Dienst an der Kirche fortzufahren“.
Der letzte bekannt gewordene Fall vom kirchlich angeordneten Exorzismus in Deutschland ist die Geschichte um Anneliese Michel.
Die junge Frau starb 1976 im Verlauf des kirchlich angeordneten Exorzismus an Unterernährung und Entkräftung, nachdem Sie selbst zuvor die ärztliche Behandlung abgebrochen hatte. Der Würzburger Bischof Josef Stangl genehmigte, dem Kaplan Ernst Alt und dem Pater Arnold Renz († 1986), an dem Mädchen eine Teufelsaustreibung durchzuführen. Monatelang belagern sie das Bett des kranken Mädchens, bespritzen sie literweise mit Weihwasser, quälen sie mit christlichen Symbolen und beten nach festgelegtem Ritual, um Anneliese Michel von ihren Dämonen zu befreien. Am Ende wiegt sie nur noch 31 Kilogramm, verweigert die Nahrungsaufnahme und stirbt schließlich am 1. Juli 1976. Nach zweijährigen staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen kommt es zum Prozess, der zur Verurteilung der Eltern und der beiden Exorzisten wegen fahrlässiger Tötung führt.

Literaturhinweis:
Uwe Wolff, Das bricht dem Bischof das Kreuz.
Die letzte Teufelsaustreibung in Deutschland 1975/76
Verlag Rowohlt Taschenbuch, 1999
279 Seiten, 3,85€
ISBN: 978-3499606199
Ein weitere Fall aus jüngster Zeit ist die „Teufelsaustreibung“ der Maricica Irina Cornici bei der, diese in dem rumänisch-orthodoxe Kloster der Heiligen Dreifaltigkeit im Jahre 2005 zu Tode kam. Die junge Frau verbrachte ihre Kindheit zunächst in Rumänien. Sie wuchs in einem Heim in Rumänien auf. Nach 19 Jahren hatte ihre Freiheit und ihr Leben erst so richtig begonnen.
In Niederbayern in St. Oswald arbeitete sie als Au-Pair-Mädchen auf einem Bauernhof fühlte sich richtig wohl und war überall sehr beliebt. Ihr Wunsch war es jedoch, eine alte Freundin zu treffen, mit der sie ihre Kindheit in Rumänien verbracht hatte. So fuhr sie wieder nach Rumänien, erfuhr jedoch, dass ihre Freundin inzwischen Klosterfrau in einem orthodoxen Kloster in Tanacu geworden ist. Ihre Freunde in Bayern waren verwundert, dass nun auch sie Klosterfrau werden wollte. “Dies war nicht ihre Lebensart berichten Freunde, sie hatte Freude am Sport, spielte selbst Fußball war lebensfroh.” Immer wieder tauchten Gerüchte auf, man habe die junge Frau mit Drogen gefügig gemacht um sie im Kloster behalten zu können. Ihr Wesen begann sich völlig zu ändern, sie wurde mehr und mehr psychisch und seelisch krank. Die Nonnen steckten sie in eine Psychiatrie, da sie angeblich Stimmen hörte. Die Ärzte diagnostizierten eine beginnende Schizophrenie. Auf Betreiben der ordensschwester kam sie dann wieder in das Kloster zurück. Der Prior Daniel Corogeanu (Vorsteher des Klosters) entschied: “Dies ist der Teufel und den bekämpft man nicht mit Pillen”.
Er befahl der Äbtissin Schwester Anastasia und weitere 3 Nonnen, die junge Frau an ein Holzkreuz zu ketten und zu knebeln.
Drei Tage dauerte das Martyrium, ohne Essen und Trinken. Als es der Frau immer schlechter ging und sie bewusstlos wurde, bestellten die Schwestern einen Rettungswagen. Auf dem Weg in das Krankenhaus verstarb die erst 23 jährige Frau.
Todesursache: Atemnot, Flüssigkeitsverlust, Austrocknung des Körpers mit einem tiefen Schock. Am 20. Februar 2007 wurde Daniel Corogeanu von einem Gericht in Vaslui zu 14 Jahren Gefängnis verurteilt. Auch die beteiligten Nonnen Anastasia, Siluana, Bahomia und Leonila, erhielten Haftstrafen von einmal 8 und dreimal 5 Jahren. Die Orthodoxe Kirche entzog Corogeanu die Priesterwürde und exkommunizierte die Nonnen.



