Heilpraktiker Richter
Der umstrittene Heilpraktiker war auch “Stammesfeldmeister” der umstrittenen katholischen Pfadfinder Europas (KPE)
Anerkannte Fachleute erheben gegenüber Jürgen Richters Lyosin und Lysotoxin-Therapie und seine katholisch-religiösen Rituale in der Krebstherapie schwere Kritik. Das Buch von Jürgen Richter zum Thema Lyosin und Lysotoxin- Therapie lässt einige Fragen und Zweifel aufkommen.
Eine der Ursachen für die Entstehung von Krebs ist die Infektion des Organismus mit Krebsviren. Sie sind meiner Ansicht nach für die aggressiven Krebsformen verantwortlich, d.h. für die Krebsformen mit geringen Überlebensraten (Morbus Hodgekin, Leukämie, kleinzellige Adenokarzinome).
Es ist weitgehend unbekannt, unter welchen Umständen wir diese aggressiven Viren aufnehmen. Wahrscheinlich nehmen wir viele dieser Viren über die Nahrungsmittelketten (tierische Eiweiße) auf. Doch können Krebsviren auch über die bekannten Eintrittspforten in den Organismus gelangen. (S.41)“
Das Auslösen des Krebses durch Viren wurde vor Jahren einmal in der Medizin diskutiert. Heute ist man schon lange von dieser Hypothese abgerückt.
Richter weist in seiner gesamten Arbeit immer wieder auf die· „Hildegard-Medizin“ hin („Im Sinne der heiligen Hildegard… S.48). Dazu einige Bemerkungen:
Hildegard von Bingen ist nicht heilig gesprochen worden!
„Im Mittelpunkt ihres Konzeptes stehen Beten und Fasten, daneben verschreibt sie bestimmte Pflanzen- und vor allem Edelsteintinkturen, deren jeweilige Rezeptur sie in ihren Visionen „von höherer Warte“ empfangen haben will. (Colin Goldner: Psycho; Pattloch 1997 ; S.168) Weiter schreibt Goldner: „(Überhaupt ist unklar, ob die Hildegard zugeschriebenen medizinischen Werke tatsächlich von ihr stammen; es existieren keine Originalschriften, das Buch >>Physica<< wurde erstmals 1533 in Straßburg gedruckt.
Noch mehr Unsicherheit herrscht über das zweite Buch >>Causae et Curae<<)“ (ebenda) Noch kritischer begegnen Krista Federspiel und Vera Herbst in dem von der Stiftung Warentest 1992 herausgegebenen Buch „Die andere Medizin“ dem Entdecker der Hildegard-Medizin , dem österreichischen Arzt Gottfried Hertzka. „Hertzka braucht für die Wirksamkeit seiner „Hildegard-Medizin“ weder Erklärung noch Nachweis, da Göttliches darüber erhaben sei….
Eine Medizin, die den Anspruch erhebt, eine göttliche Offenbarung zu sein, schließt Kritik von vornherein aus. Wer Hertzkas Buchtitel >>So heilt Gott<< vertraut und sich ausschließlich der „Hildegard-Medizin“ überantwortet, gefährdet unter Umständen sein Leben.“ (S.124)
Weiter heißt es: „Eingehende wissenschaftliche Untersuchungen über Wirksamkeit und therapeutische Eigenschaften der bei Hildegard angeführten Pflanzen fehlen.“ (S.125)
Hertzka erscheint in den Literaturhinweisen bei Richter.
In der „Hildegard-Medizin“ ist Krankheit das gestörte Gleichgewicht der· Einheit von Körper und Seele, aber auch immer die Folge sündhaften Lebens. Dementsprechend gibt es für sie nur ein Heilmittel: den Glauben. Ohne ihn bleibt jede Heilkunst erfolglos.
Ähnliche Gedanken finden sich auch bei Richter: „Ich selbst betrachte die Krebskrankheit als Leib - Seele - Problematik, so dass die drei im folgenden getrennt behandelten Ursachen durchaus als Ursachenkomplex betrachtet werden können.“ (S.38)
Goldner schreibt: „Das Medizinverständnis Hildegards basiert auf· mittelalterlichen Vorstellungen mit magisch-okkultem Einschlag,…Solche Vorstellungen nun zur Grundlage einer zeitgemäßen Behandlung von Epilepsie, Herzklappenentzündung, Krebs oder Querschnittslähmung zu machen, muss als unverantwortliche Scharlatanerie gewertet werden.“ (S.170)
Die auf Seite 42 bei Richter ausgewiesen Dinkelernährung („Sie verfügen· über Schutzmechanismen von denen wir bislang keine Kenntnisse haben.“) gehört nach Stiftung Warentest ebenfalls ins Reich der Fabel.
Richter wendet sich in seinem Buch vornehmlich an Katholiken („Für einen· christlich gesinnten Menschen und insbesondere für einen Katholiken…“ S. 42) und hier insbesondere an die kirchlich gebundenen. („Helfen wird mir auf diesem Weg die enge Anbindung an die Sakramente der Kirche. Der häufige Empfang der Sakramente kann mir eine große Stütze sein. Häufiger Besuch der heiligen Messe oder schlichte Betrachtung der eucharistischen Wahrheiten können in mir große Veränderungen auslösen. Intensive Beichtgespräche können Wegweiser in die richtige Richtung sein oder auf Fehler hinweisen.
Sollten Sie kein Katholik sein, so würde ich Ihnen denselben Rat geben. Suchen Sie durch geistige Betrachtung eine enge Anklammerung an Jesus Christus. Der katholische Glaube lehrt uns, dass Gott in jedem Tabernakel der Kirche wohnt. Sollten wir den Wunsch verspüren, Gottes Anwesenheit zu betrachten, so gehen wir in eine katholische Kirche und richten uns an Ihn. In seiner Liebe weist Gott keine bittende Hand zurück, erst recht nicht, wenn diese Hand in Not und hilfsbedürftig ist.“ S. 58)
An Andersgläubige wie z. B. Moslem oder Hindus ist die Therapie offensichtlich nicht gerichtet.
Verwirrend im Zusammenhang mit diesem festen Glaubensgebäude erscheint dann· die eher synkretistische Bemerkung auf Seite 44: „Die uns innewohnende Disharmonie, die in den Kosmos strahlt, ist der Grund dafür, dass sich vieles negativiert. Eine Epoche der Menschheitsgeschichte, fern der allgemeinen Heilsgnade des lieben Gottes.
Für den einzelnen Krebskranken mag dies eine Ursache seiner Erkrankung sein: Die Überschwemmung seines Körpers mit schädlichen Stoffen ist darauf zurückzuführen, dass er von den übergeordneten Kräften aus dem Kosmos abgeschirmt ist und dass ihm die inneren Ordnungskräfte seiner Seele fehlen.”
Kosmische Kräfte in Form von Chi, Ki oder Prana, die in den Menschen strahlen und die der Mensch ausstrahlt sind eher aus den östlichen Religionen und Weltanschauungen bekannt. Ihre Existenz ist bisher mit den herkömmlichen wissenschaftlichen Methoden aber noch nicht nachgewiesen.
Richter sieht sich offenbar als auserwählt, wenn er auf den Seiten 64/65· schreibt:“ Dem religiösen Prinzip, auf dem sich das Denken in der Lysotoxinmethode stützt, entspricht es auch, dass es nur wenige Menschen gibt, dem die Natur ihre Geheimnisse mitteilt. Man muss sich ihrer als würdig erweisen. So lange ein Mensch ohne religiösen Bezug in rein natürlichen Lebensanschauungen verhaftet ist, kann er nicht Anteil an der wahren, gelebten inspirativen Naturheilkunde haben.
Reale Heilwerte fordern den kompetenten Heilbehandler in seiner ganzen Person. Er hat sich selbst als Vermittlungsstelle zu begreifen. Er vermittelt Heilkräfte , die selbst Gottes Gnadengaben sind. Sie können nur in einem gottgefälligen Leben empfangen werden.“
Hier verdeutlicht sich entweder Selbstüberschätzung oder Denkfehler bzw. Unaufmerksamkeit. Wenn ich von einer festen Gottverbindung ausgehe, dann kann Gott mir die Geheimnisse der Natur aufschließen, aber die Natur kann mir niemals ihre Geheimnisse mitteilen.
Auch die katholische Kirche kann nicht letztendlich entscheiden was ein „gottgefälliges Leben“ ist. Ich würde es als überheblich bezeichnen, wenn ich mich selbst oder einen anderen Menschen als gottgefällig bezeichnete.
Richter spricht von Heilskräften, die an Bedingungen geknüpft sind, nämlich· das wir Gottes Willen entsprechen müssen. Doch Gott erweist uns die Gnade. Im Verlauf der Seite 49 spricht der Autor von >Kraftzentren<. >Kraftzentrum< ist ein Begriff, der in esoterisch-asiatischen Meditationsmethoden gebräuchlich ist, z. B. als Chakra. Dieser Gedanke wird fortgeführt am Ende der Seite mit dem Zitat: „Wir betrachten das Einströmen der von Gott gegebenen Lebens- und Erhaltungskräfte, die Viridatis, aus dem Kosmos (von oben himmelwärts) durch unser Hinterhaupt in unseren Körper.“ Außerdem macht Richter Gott verfügbar in dem er schreibt: „Nein, wir machen uns mit konkreten Kräften die Hilfe und die Gaben des Heiligen Geistes zu eigen.“ (Seite 50).
Vermischungen mit Entspannungstechniken, imaginären Vorstellungen und· esoterischem Gedankengut folgen auf Seite 51:„Gottes Gnadenkraft, einfließen zu lassen und sie in unserem Körper zu empfinden. Wir lenken diese gute Kraft, die unsere Seele am Leben hält und unser Sanktionszentrum das Gute erkennen lässt, in den oberen Bauchraum, zu unserem Sonnengeflecht.“ Weiter lässt Richter diese „in unserem Rückenmark deponierte Energie“ aus dem Körper heraustreten „um sie konkret und bewusst unserem Schutzengel zu überreichen.“. Und auf Seite 53 „Wir werden spüren, wie wir an der Hand geführt werden in jene Sphäre, in der wir durch die Erkenntnis der zarten Geheimnisse des Lebens auch unsere Situation erschauen, um daraus in uns eine neue Hoffnung wachsen zu lassen. Erst dieser inspirativen Hoffnung entspricht die geistige Größe, unserer Krankheit geistig und körperlich standzuhalten, ja sie zu überwinden.“



